Pro und Contra

Wie bei jeder Diskussion gibt es auch beim Thema „Godorfer Hafen“ kritische Stimmen, auch in einzelnen Unternehmen. Deshalb stellen wir Ihnen im Folgenden Argumente der Ausbaugegner und unsere Antworten dazu vor.

 

Hafenausbaugegner:

Im Hafen Niehl gibt es noch Reserven für einen weiteren Ausbau des Terminals.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Die nicht hafenaffine Nutzung von Flächen ist bereits soweit wie möglich minimiert worden. Die verbleibenden Flächen sind für einen Containerumschlag nicht nutzbar. Sie haben entweder keinen Wasserzugang oder sind zu klein. Mittel- und langfristige Umstrukturierungsvorschläge sind bereits im Gutachten der Firma Planco enthalten. Das Gutachten unterstellt dabei die Realisierung von Godorf!

Die Ausbaugegner greifen auf diese Betrachtung zurück, unterschlagen aber stets die Bedenken und Einwände des Gutachters zu den einzelnen Vorschlägen. Hierzu gehören z.B. Eigentumsfragen, lange Mietverträge und Kostenbetrachtungen.

Hafenausbaugegner:

Das Hafenbecken 4a kann zugeschüttet, die KD Flotte nach Mülheim verlegt werden.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Der Aufwand für die Zuschüttung wäre enorm, der Flächengewinn (ca 8,5 Ha) für zusätzlichen Containerumschlag nicht nutzbar, weil die Radien für Züge zu eng sind und die Länge (ca 200 m) für rentable Umschläge zu kurz ist. Der Hafen Mülheim ist ein Schutzhafen des Bundes, der Liege- und Schutzplatz bei Hochwasser und Fahrverboten ist.

Hiervon geht der Bund nicht ab. Aber auch der Hafen Niehl dient als Schutzhafen bei Hochwasser. Er muss rund 160 Liegeplätze vorhalten. Wird das Hafenbecken oder das Hafenbecken 2, wie ein anderer Vorschlag lautet, zugeschüttet, müssen diese Liegeflächen anderswo geschaffen werden.

Hafenausbaugegner:

Seit X Jahren erzählt man, die Kapazitätsgrenzen in Niehl sind erreicht. Es ging trotzdem immer weiter.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Die Grenzen konnten aufgrund hoher Investitionen, etwa durch die Anschaffung neuer leistungsfähigerer Krane (4 Lagen Staplung + 1), die Modernisierung von Kranen (3 + 1) und die Einführung von Mehrschichtarbeit etc. noch hinausgeschoben werden. Diese Möglichkeiten sind nahezu ausgeschöpft. Außerdem wird die Rentabilität der Anlagen kritisch, wenn ihre Auslastung über 90% steigt, weil dann mehr Container bewegt werden müssen, um an den Gewünschten zu kommen.

Hafenausbaugegner:

Die Fläche in Godorf ist für einen rentablen Umschlag zu klein.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

In Godorf werden rund 200.000 Container umgeschlagen werden können. Diese Anzahl entlastet das Niehler Terminal, wodurch auch dort neue Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten geschaffen werden. Ohne Entlastung hat auch Niehl keine dauerhafte Perspektiven. Der Nichtbau von Godorf wird sich auf die Anlage in Niehl auswirken und letztlich dort zum Stillstand führen. Mit einer negativen Entscheidung des Rates schädigt die Stadt somit ihr eigenes Unternehmen und vernichtet Arbeitsplätze.

Hafenausbaugegner:

Die Fläche in Godorf ist, gemessen an Duisburg, zu klein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Ausbau mache schon deshalb keinen Sinn.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Diese Behauptung ist richtig, wenn man gar nichts tut. Der Rat hat aber die Aufgabe, dem Wohl der Stadt Köln zu dienen, nicht dem der Stadt Duisburg. Es kann nicht gewollt sein, die noch vorhandene Spitzenstellung Kölns im Verkehr durch Nichtstun zu verspielen. Köln hat gegenüber Duisburg den Vorteil, vier Verkehrsträger verbinden zu können. Wenn man, wie im Leitbild von allen Parteien gefordert und unterschrieben, Köln zum logistischen Drehkreuz machen will, muss auch in Infrastruktur investiert werden. Es kann auch nicht gewollt sein, per Lkw alle Güter aus dem Süden und in den Süden Kölns über und durch das Kölner Stadtgebiet fahren zu lassen.

Zur Zeit sind das etwa 50.000 Lkw-Fahrten/Jahr, die bei einem Ausbau in Godorf zwar nicht entfallen, aber das Stadtgebiet Kölns nicht weiter tangieren. Bei einem endgültigen Ausbau und einer Vollausnutzung fallen sogar bis zu 140.000 Lkw-Fahrten pro Jahr weg. Die Transportwege von Godorf zu den Empfängern im Kölner Süden sind zudem deutlich kürzer, sodass auch die Umwelt davon profitiert.

Hafenausbaugegner:

Der Ausbau vernichtet ein Naturschutzgebiet.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Das NSG "Sürther Aue" geht tatsächlich teilweise verloren. Der Eingriff in die Natur wird aber durch Ausgleichsmaßnahmen vor Ort und im Stadtgebiet mehr als ausgeglichen. Zum einen durch die Aufwertung der vor Ort angrenzenden, zum jetzigen Gebiet vorhandenen Ackerflächen (neun Hektar), zum anderen durch eine zusätzliche Aufwertungsmaßnahme im Worringer Bruch (18,6 Ha). Insgesamt werden für 20 Ha Eingriffsfläche also 27,6 Ha aufgewertet.

Hafenausbaugegner:

Durch den Ausbau des Hafens in Godorf wird der Lkw-Verkehr in Sürth und Godorf erheblich ansteigen.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Durch relativ einfache Baumaßnahmen kann die Kreuzung Mühlenhof/Industriestraße so hergerichtet werden, dass Lkw aus der Straße Mühlenhof nicht rechts in Richtung Sürth abbiegen können (Hohe Bordsteine, Mittelinsel, Kurvenradien). Das zusätzlich zu erwartende Verkehrsaufkommen kann über die Industriestraße (L 300) problemlos abgewickelt werden (erwartet werden ca 400 Lkw-Fahrten/Tag und 100 Pkw-Fahrten/Tag).

Hafenausbaugegner:

Der wasserseitige Umschlag über die Kaimauern rechtfertigt diese Investition nicht.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Die Bedeutung eines modernen Hafens liegt in der Verknüpfungsfunktion für die verschiedenen Verkehrsträger. Die bloße Reduktion der Betrachtung auf Be- und Entladung von Schiffen greift deshalb viel zu kurz. Die Trimodalität, also die Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsträger Schiene/Wasser/Straße und die damit verbundenen Verladungsoptionen, ist der wirtschaftlich bedeutende Vorteil. Damit ist ein solcher Hafen anderen Umschlageinrichtungen überlegen, die in der Regel nur zwei Verkehrsträger verbinden. Im übrigen steigen auch die Umschläge über die Kaimauer kontinuierlich an. Angesichts der Entwicklungen in den ZARA Häfen und den Bemühungen dieser Häfen, den Modal-Split hin zum Binnenschiff und zur Bahn zu ändern, ist auch beim wasserseitigen Umschlag mit erheblichen Anstiegen zu rechnen.

Hafenausbaugegner:

Köln braucht keine weiteren Hafenkapazitäten. Die vorhandenen reichen aus.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Der Rat hat ein bipolares Hafenkonzept 1999 beschlossen. Der Beschluss enthielt die Intensivierung der Hafenaktivitäten in zwei Haupthäfen, Niehl und Godorf. Im Gegenzug verzichtete die HGK auf die Nutzung des Rheinauhafens. Letzteres ist erfolgt. Jetzt steht der Rat im Wort. Ein Ausbau in Godorf führt zur Entlastung der innerstädtischen Straßen, da Güter mit Quelle und Ziel im Süden Kölns über Godorf abgewickelt werden können. Das muss im Sinne des Rates und der Bevölkerung der Gesamtstadt liegen. Dabei werden nach Schätzungen 50.000 und mehr Lkw-Fahrten durch die Stadt vermieden.

Hafenausbaugegner:

In Hochwassersituationen droht wegen der Überflutung des Hafengeländes Gefahr für die Umwelt.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Hochwasser am Rhein kommt nicht überraschend. Der Rhein schwillt auch nicht so schnell an, wie kleine Flüsse und Bäche. Die Rheinüberwachung von Basel bis Rotterdam garantiert eine rechtzeitige Räumung des Hafens von Gütern, von denen eine Gefahr ausgehen könnte.

Hafenausbaugegner:

Durch den Neubau des Hafenbeckens entstehen nur wenige Arbeitsplätze.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Bei einer Arbeitslosenzahl von fast 51.000 Menschen kann es sich die Stadt nicht erlauben, auf nur einen neuen Arbeitsplatz zu verzichten. Zudem entsteht durch indirekte Effekte zusätzliche Beschäftigung.

Hafenausbaugegner:

Der Hafen kann nicht wirtschaftlich betrieben werden.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Die HGK hat bisher ihre Wirtschaftlichkeit immer nachgewiesen. Selbst im Krisenjahr 2009 hat sie einen kleinen Gewinn erzielt (rd.70.000 Euro). Sie trägt damit zur Entlastung der städtischen Kassen bei. Mehrere Gutachten (Dornier 1997, KE-Consult 2000) und zuletzt Prof. Dr. Baum belegen, dass der Hafen rentabel betrieben werden kann (Nutzen-Kosten-Verhältnis nach Prof. Baum 2,5). Prof. Dr. Baum errechnet auch bei Wegfall bestimmter Förderleistungen des Bundes, des Landes und der EU noch ein positives KNV von 2,1. Der Bundesverkehrswegeplan zieht eine Grenze bei Maßnahmen im Bereich der Bundeswasserstraßen von 1,6. Natürlich kann jede Investition durch immer mehr Auflagen und Forderungen letztlich unwirtschaftlich werden.

Hafenausbaugegner:

Das Güteraufkommen kann auch in Zukunft in Niehl abgewickelt werden.

IHK Köln, DGB Region Köln-Bonn, Arbeitgeber Köln:

Immer mehr Güter werden containerisierbar. Alle Prognosen gehen von erheblich steigenden Mengen aus. Die Prognosen aus der Vergangenheit sind stets übertroffen worden. (Planco 1998; Containerverkehr auf dem Rhein 2015; 1,5 Mio. Container; Im Jahre 2002 waren es bereits 1,52 Mio; Prognose für Köln im Jahre 2010: 208.000 TEU; 2004 hatten die HGK bereits 450.000 TEU; Umschlag; Planco 1999 für Köln 78.000 TEU im Jahr 2010, 2004 waren es bereits 79.000 wasserseitig). Die rasante Entwicklung im Containerverkehr zeigt sich auch im Umschlag der Häfen Antwerpen und Rotterdam. Rotterdam baut zur Zeit die Maasflakte 2 mit 2000 Ha Fläche (1000 Ha Netto) für Containerumschläge und als Tiefwasserhafen. Die Fläche ist für einen Umschlag von 17 Mio. TEUs vorgesehen bei Vollauslastung. Sie geht 2013 im ersten Abschnitt in Betrieb. In den Verträgen wird festgeschrieben, dass mindestens 30% der Containerumschläge per Binnenschiff transportiert werden müssen! Das ist eine Investition, die auf den Umschlag 2030 ausgelegt ist. Erwartet wird dann ein Umschlag von 30 Mio. TEUs. In 2010 waren es 11 Mio. TEUs. Diese Entwicklung darf nicht weiter ignoriert werden.